changement!
Stand: Dezember 2018

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CM vom 28.12.2018, Heft 09, Seite 26 - 30, CM1290064
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Der Kapitalismus ist auf Fantasien gebaut

Prof. Dr. Jens Beckert

Prof. Dr. Jens Beckert ist Direktor am Max-Planck-Institut und Professor für Soziologie in Köln. In diesem Jahr wurde er mit dem Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft ausgezeichnet. Sein aktuelles Buch zum Thema: „Imaginierte Zukunft: Fiktionale Erwartungen und die Dynamik des Kapitalismus“ (2018).

„In der Ökonomie dreht sich alles um die Zukunft.“ Mit dieser These zeigt der Soziologe Jens Beckert, dass unser Wirtschaftssystem auf Imagination und Fiktion beruht, also auf Vorstellungen und Erzählungen, was morgen sein wird. Chefredakteur Martin Claßen hat mit ihm gesprochen, weil er zunächst nicht glauben wollte, dass Zukunftserwartungen, die bekanntlich oft enttäuscht werden, so bedeutsam für Entscheidungen in der Gegenwart sind.

Prof. Dr. Jens Beckert

Wir kennen nur die Vergangenheit, Erfahrungen prägen uns und die Zukunft ist völlig ungewiss. Warum richten die Menschen in der Wirtschaft dennoch sämtliche Aktivitäten an ihren persönlichen Erwartungen an die Zukunft aus?

Entscheidungen zielen immer auf die Zukunft. Die Zukunft ist jedoch offen, wodurch Entscheidungen mit Ungewissheit behaftet sind. Manager von Unternehmen, Investoren und Konsumenten brauchen aber eine Orientierung für ihre Entscheidungen, deren Folgen erst morgen und übermorgen sichtbar werden. Erwartungen geben diese Orientierung. In traditionalen Gesellschaften wurde die Zukunft einfach als Fortsetzung der Vergangenheit angenommen. Im Kapitalismus ist dies nicht mehr möglich, weil durch Wettbewerb ständig Neues geschieht. Wie genau die Zukunft aussehen wird, weiß niemand. Dennoch muss entschieden werden. Erwartungen basieren auf imaginierten Zukünften, ich spreche von fiktionalen Erwartungen.

Der einstige Investmentguru André Kostolany

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