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Stand: Mai 2018

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CM vom 28.05.2018, Heft 04, Seite 10 - 13, CM1271525
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Singularitätsgüter: Der Wert des Einzigartigen

Prof. Dr. Andreas Reckwitz

Prof. Dr. Andreas Reckwitz ist Soziologe und Kulturwissenschaftler. Er ist Professor für vergleichende Kultursoziologie an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder). Sein aktuelles Buch zum Thema: „Die Gesellschaft der Singularitäten. Zum Strukturwandel der Moderne“ (2017).

„Eine Generaltheorie unserer Epoche“ (Die Zeit). Mit solchen und ähnlichen Einschätzungen ist das jüngste Buch von Andreas Reckwitz gefeiert worden. Seine These: Das Besondere ist Trumpf, das Einzigartige wird prämiert, eher reizlos ist das Allgemeine und Standardisierte. Es ist klar, dass gerade Veränderungsprozesse sich dem Konformitätsverdacht entziehen müssen, wollen sie nicht als beliebig gelten.

CM 04/2018 S. 11

In der Ökonomie der Gegenwart lässt sich ein grundsätzlicher Wandel beobachten. Er betrifft die Form der Güter: Es findet eine Verschiebung der Gewichte von den industriellen Standardgütern zu den kulturellen Singularitätsgütern statt. Güter, die heute die Konsumenten ansprechen wollen, müssen den Anspruch haben, einzigartig und authentisch zu sein.

Paradigmenwechsel

Die klassische Industriegesellschaft, wie sie den Westen vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die 1970er-Jahre prägte, beruhte weitgehend auf einem industriellen Typus von Waren und Gütern. Größtenteils handelte es sich um dingliche, materielle Güter – vom Stahlbeton über das Automobil bis zur Waschmaschine –, die zwei Eigenschaften besaßen: Die Konsumenten interessierte in erster Linie ihr funktionaler Nutzen, ihr Gebrauchswert im engeren Sinne, und die Güter konnten entsprechend standardisiert, also für alle in gleicher Form verfertigt werden. Sie erschienen austauschbar und unterschieden sich nur graduell.

Auch in der

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